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KI-Prototyp vor dem Launch absichern: Die Checkliste, die entscheidet, ob Sie live gehen können

Raphael Jasjukaitis

Kurz gesagt: Bevor ein mit KI gebauter Prototyp echte Nutzer bekommt, sollten zehn Dinge stimmen: kontrollierte Secrets, geschlossene Datenbank-Regeln, echte Authentifizierung, Rate-Limiting, ein EU-Serverstandort, Tests für die kritischen Abläufe, ein Backup, ein Fehler-Monitoring, ein DSGVO-Konzept und eine Dokumentation, die auch ohne Sie funktioniert. Fehlt einer der ersten fünf Punkte, gehen Sie besser noch nicht live, denn das sind die, bei denen ein Fehler nicht auffällt, bis Daten abfließen. Diese Checkliste können Sie selbst durchgehen, bevor Sie jemanden fragen.

Ein Launch ist kein Knopf. Er ist ein Zustand, den man erreicht. Diese zehn Punkte sagen Ihnen, wie weit Sie davon entfernt sind.

Wie Sie diese Liste benutzen

Gehen Sie jeden Punkt ehrlich durch und geben Sie sich eine Ampel: grün bedeutet stimmt, gelb bedeutet unsicher, rot bedeutet fehlt. Die Punkte 1 bis 5 sind Sicherheitsfundament. Ein einziges Rot dort heißt: noch nicht launchen. Die Punkte 6 bis 10 sind Betriebsreife. Rot dort heißt: Sie können mit Risiko live gehen, sollten es aber zügig nachziehen.

Das Sicherheitsfundament, Punkt 1 bis 5: Ein Rot hier stoppt den Launch

1. Liegen Secrets dort, wo sie hingehören?

API-Keys, Datenbank-Passwörter und Zugangs-Token gehören serverseitig und nur dorthin. Stecken sie im Frontend-Code, kann jeder Besucher sie mit einem Rechtsklick lesen. Das ist der häufigste und teuerste KI-Prototyp-Fehler. Test: Öffnen Sie Ihre Anwendung im Browser und schauen Sie in den Quelltext und die geladenen Dateien. Finden Sie dort einen Schlüssel, ist das Rot.

2. Sind Ihre Datenbank-Regeln geschlossen?

Bei Supabase heißt das Row Level Security, bei Firebase die Security Rules. In der Standardkonfiguration und in vielen KI-Prototypen stehen sie offen. Dann kann jeder, der die Adresse Ihrer Datenbank kennt, lesen und oft auch schreiben. Test: Kann ein nicht angemeldeter Nutzer über die reine API an Daten kommen? Wenn Sie das nicht sicher mit Nein beantworten können, ist es Rot.

3. Ist die Authentifizierung echt oder nur eine Kulisse?

Ein Login-Bildschirm ist noch keine Sicherheit. Die Frage ist, ob der Server bei jeder Anfrage prüft, ob dieser Nutzer das darf, oder ob die Prüfung nur im Frontend passiert und sich umgehen lässt. Test: Kann jemand durch direktes Ansprechen der Schnittstelle Aktionen auslösen, für die er nicht eingeloggt sein dürfte?

4. Gibt es Rate-Limiting?

Ohne Begrenzung kann eine einzelne Person Ihre Anwendung mit Anfragen überfluten, böswillig oder durch einen Fehler. Bei KI-Funktionen kommt ein zweites Risiko dazu, nämlich eine explodierende Rechnung, weil jeder Aufruf Geld kostet. Test: Was passiert bei 1.000 Anfragen pro Minute von einer Adresse? Wissen Sie es nicht, ist es mindestens Gelb.

5. Stehen Ihre Daten in der EU?

Datenbank-Region und Serverstandort: EU oder nicht? Und geht bei KI-Funktionen etwas an Modelle außerhalb der EU? Sobald echte Personendaten fließen, ist das nicht optional. Test: Region in den Projekteinstellungen ablesen. Steht dort us-east, ist es Rot.

Die Betriebsreife, Punkt 6 bis 10: Rot hier heißt „zügig nachziehen“

6. Gibt es Tests für die kritischen Abläufe?

Login, Bezahlung, Datenspeicherung. Prüft irgendetwas automatisch, dass diese Abläufe noch funktionieren, nachdem Sie etwas geändert haben? Ohne Tests wird jede Änderung nach dem Launch zum Blindflug.

7. Gibt es ein Backup, und wurde es je zurückgespielt?

Ein Backup, das nie getestet wurde, ist eine Hoffnung, kein Backup. Test: Könnten Sie den Stand von gestern wiederherstellen, wenn heute etwas Wichtiges gelöscht wird?

8. Sehen Sie, wenn etwas kaputtgeht?

Nach dem Launch ist die entscheidende Frage nicht, ob ein Fehler passiert, sondern ob Sie es merken, bevor Ihr Kunde es Ihnen sagt. Ein Fehler-Monitoring meldet Ihnen Probleme, bevor sie zum Anruf werden.

9. Steht ein DSGVO-Konzept?

Datenschutzerklärung, Auftragsverarbeitungsverträge mit Ihren Dienstleistern, Datensparsamkeit. Nicht das Schönste am Launch, aber das, wonach Ihr erster B2B-Kunde im Einkauf fragt.

10. Funktioniert das Ganze auch ohne Sie?

Wenn nur Sie oder nur die ursprünglichen KI-Sessions wissen, wie das System aufgebaut ist und wie man es deployt, dann ist Ihr größtes Risiko nicht technisch, sondern menschlich. Eine Dokumentation, die auch Ihr Team versteht, macht Sie unabhängig.

Was Ihr Ampel-Bild bedeutet

Ist bei den Punkten 1 bis 5 alles grün und bei 6 bis 10 überwiegend grün, sind Sie launch-reif. Ziehen Sie das restliche Gelb in den ersten Wochen nach. Ist auch nur ein Punkt von 1 bis 5 rot, gehen Sie noch nicht live. Das sind genau die Lücken, die niemand bemerkt, bis es zu spät ist, und die im Schadensfall am teuersten werden. Und wenn vieles gelb ist, weil Sie es schlicht nicht wissen, ist das der häufigste Fall und keine Schande. Bei Sicherheit ist „ich weiß es nicht“ fast dasselbe wie „nein“, und genau das ist der Punkt, an dem ein Audit den Unterschied macht.

Der ehrliche Teil: Diese Liste ersetzt keinen Blick in den Code

Ich habe diese Checkliste bewusst so gebaut, dass Sie sie allein durchgehen können. Sie bringt Sie von einem diffusen ungutem Gefühl zu einer konkreten Liste, und das ist ein echter Fortschritt. Was sie nicht kann, ist die Lücken zu finden, die man nur sieht, wenn man den Code liest. Manche der teuersten Sicherheitsprobleme stehen an Stellen, die von außen unsichtbar sind. Wenn nach dieser Liste mehrere Punkte gelb oder rot sind, ist der nächste Schritt kein Ratespiel mehr, sondern ein strukturierter Blick von jemandem, der weiß, wo KI-Code typischerweise kippt.

Ein letzter Hinweis für den Fall, dass Sie mit wenigen Nutzern starten wollen: Bei den Punkten 6 bis 10 ist das oft mit Nachziehplan vertretbar. Bei 1 bis 5 nicht. Ein offenes Datenleck ist bei zehn Nutzern genauso ein Datenleck wie bei zehntausend, nur bleibt es bei wenigen Nutzern länger unentdeckt.


Mehrere Punkte gelb oder rot? Wir gehen im Vibecode-Audit genau diese Liste im Code durch, strukturiert, mit Schweregraden und einem priorisierten Plan. Am Ende wissen Sie nicht nur, ob Sie launchen können, sondern was bis dahin fehlt.

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