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Vendor-Lock-in: Warum Ihre Software Ihnen gehören sollte, und wie Sie erkennen, ob sie es tut

Raphael Jasjukaitis

Kurz gesagt: Vendor-Lock-in bedeutet, dass Sie einen Anbieter nicht mehr wechseln können, ohne einen unverhältnismäßig hohen Preis zu zahlen, sei es an Geld, Zeit oder verlorenen Daten. Er entsteht selten durch eine bewusste Entscheidung, sondern schleichend, über proprietäre Formate, undokumentierte Systeme und Verträge, aus denen man nur schwer wieder herauskommt. Sie erkennen ihn an fünf Anzeichen, und Sie vermeiden ihn, indem Sie auf offene Stacks setzen und darauf bestehen, dass der Code Ihnen gehört.

Wenn Sie schon einmal das Gefühl hatten, einem Software-Anbieter ausgeliefert zu sein, dessen Preis steigt, während der Service sinkt, dann wissen Sie, worum es geht. Dieser Artikel gibt dem Gefühl einen Namen und einen Ausweg.

Was Vendor-Lock-in wirklich ist und was nicht

Lock-in ist nicht dasselbe wie „einen Dienstleister haben“. Es ist normal und gesund, mit Partnern zu arbeiten. Lock-in beginnt dort, wo der Wechsel des Partners so teuer wird, dass Sie ihn faktisch nicht mehr durchführen können, und der Anbieter das weiß. Ab diesem Punkt verhandeln Sie nicht mehr auf Augenhöhe. Der Preis, den Sie zahlen, ist nicht mehr der Preis der Leistung, sondern der Preis Ihrer Abhängigkeit.

Das Tückische daran: Lock-in fühlt sich anfangs bequem an. Alles kommt aus einer Hand, alles ist „inklusive“. Der Preis dafür wird erst sichtbar, wenn Sie etwas ändern wollen und feststellen, dass Sie es nicht können.

Die fünf Anzeichen, an denen Sie Lock-in erkennen

1. Sie kommen nicht an Ihre eigenen Daten

Wenn ein Anbieter Ihre Daten nur über seine Oberfläche herausgibt, in einem Format, das sonst niemand lesen kann, oder gegen Gebühr, dann sind es rechtlich Ihre Daten, praktisch aber seine. Der Export-Knopf ist das Erste, was ich bei jeder Software prüfe.

2. Niemand außer dem aktuellen Anbieter versteht das System

Wenn nur ein einziger Dienstleister weiß, wie Ihre Software funktioniert, weil nichts dokumentiert ist, dann kann auch nur dieser eine Dienstleister sie warten. Das ist kein technisches, sondern ein Machtproblem. Der Preis steigt, weil er steigen kann.

3. Der Wechsel würde Monate und einen großen Betrag kosten

Rechnen Sie es einmal durch. Was würde es kosten, morgen den Anbieter zu wechseln? Wenn die ehrliche Antwort lautet „das trauen wir uns gar nicht durchzurechnen“, haben Sie Ihr Ergebnis.

4. Proprietäre Formate, die nirgendwo sonst laufen

Standardtechnologien wie offene Datenbanken, offene Schnittstellen und verbreitete Programmiersprachen lassen sich von vielen warten. Proprietäre Bausteine, die es nur bei einem Anbieter gibt, binden Sie an genau diesen Anbieter, auf Gedeih und Verderb.

5. Der Vertrag verlängert sich stillschweigend, der Preis auch

Automatische Verlängerung, jährliche Preiserhöhung und lange Kündigungsfristen sind kein Zufall. Sie sind die vertragliche Seite desselben Prinzips: den Ausstieg teuer machen.

Warum das gerade den Mittelstand hart trifft

Konzerne haben Rechtsabteilungen und Verhandlungsmacht. Ein Mittelständler, der eine Branchensoftware einführt, hat beides selten und merkt zu spät, dass er der schwächere Vertragspartner ist. Ich habe Unternehmen gesehen, die einen Kernprozess über Jahre an eine Software gebunden haben, deren Anbieter dann übernommen wurde, das Produkt einstellte und einen „Migrationspfad“ anbot, der teurer war als eine Neuentwicklung. Das ist kein Ausnahmefall, sondern das vorhersehbare Ende einer Abhängigkeit, die am Anfang bequem aussah.

„Standard deckt 80 Prozent ab“, und warum die restlichen 20 Prozent entscheiden

Standardsoftware ist oft die richtige Wahl. Sie ist günstig, sofort verfügbar und erprobt. Für 80 Prozent dessen, was Sie tun, reicht sie, und für diese 80 Prozent sollten Sie auch nichts selbst bauen lassen. Der Punkt ist der Rest. Die fehlenden 20 Prozent sind fast immer genau das, was Sie von Ihren Wettbewerbern unterscheidet: Ihr besonderer Prozess, Ihre Kalkulation, Ihr Weg, mit Kunden umzugehen.

Für diese 20 Prozent haben Sie zwei Möglichkeiten. Entweder Sie biegen Ihren Prozess so lange, bis er in die Standardsoftware passt, und geben genau den Vorteil auf, der Sie besonders macht. Oder Sie bauen für diese 20 Prozent etwas Eigenes, das Ihnen gehört. Das ist der Moment, in dem individuelle Software keine Frage von Prestige ist, sondern von Wettbewerbsfähigkeit.

Wie individuelle Software ohne Lock-in aussieht

Individuelle Entwicklung schützt nicht automatisch vor Lock-in, denn man kann sich auch von einer Agentur abhängig machen. Der Unterschied liegt in vier Prinzipien, auf denen Sie bestehen sollten.

Der Code gehört Ihnen, vollständig und nicht als Lizenz, sodass Sie damit zu jedem anderen Team gehen können. Die Stacks sind offen, also verbreitete Sprachen und Technologien, die viele Entwickler beherrschen, kein exotisches Framework, das nur ein Anbieter kennt. Die Dokumentation ist so geschrieben, dass auch Ihr nicht-technisches Team Setup, Betrieb und typische Fehlerbilder versteht. Und Ihre Daten liegen in Ihren Systemen, exportierbar, in offenen Formaten, jederzeit.

Das ist der Kern unserer Haltung, und ich formuliere ihn bewusst unbequem für unser eigenes Geschäft: Gute Software macht Sie unabhängig, auch von uns. Ein Dienstleister, der Ihnen die Tür zum Ausgang offen hält, ist ein Dienstleister, der Ihr Vertrauen jeden Monat neu verdienen muss. Genau so wollen wir arbeiten.

Bevor Sie den nächsten Vertrag unterschreiben

Vier Fragen genügen, um zu erkennen, ob Sie sich in ein neues Lock-in begeben. Gehört mir der Code? Sind die Technologien offen und verbreitet? Bekomme ich meine Daten jederzeit im offenen Format? Ist es dokumentiert? Vier Mal Ja bedeutet, dass Sie auf der sicheren Seite sind. Weicht ein Anbieter bei einer dieser Fragen aus, ist genau das die Antwort.

Und falls Sie bereits eine Standardlösung im Einsatz haben: Es ist nicht zu spät. Häufig ist der richtige Weg ein Zwischenweg. Sie behalten Standard für die 80 Prozent und bauen für die entscheidenden 20 Prozent etwas Eigenes daneben, verbunden über offene Schnittstellen. So lösen Sie das Lock-in-Risiko genau an der Stelle, an der es wehtut.


Sie wollen Software, die Ihnen gehört und die Sie unabhängig macht? Zeigen Sie uns, wo Standard bei Ihnen an die Grenze stößt. Wir sagen ehrlich, ob sich Individualentwicklung lohnt, und wenn nicht, sagen wir auch das.

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